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Zur
Geschichte psychiatrischer Beiträge im Schweizer Archiv für
Neurologie und Psychiatrie
Das Schweizer Archiv für Neurologie
und Psychiatrie erschien erstmals 1917. Herausgegeben
wurde es in den Anfangsjahren von Professor Dr. C. von Monakow,
Professor Dr. P. Dubois, Professor Dr. R. Weber, Dr. B. Manzoni
und Professor Dr. H. W. Maier, unter der Mitwirkung der
damals bestimmenden Professoren der Psychiatrie und Neurologie, u.a. auch
von Professor E. Bleuler. Das Schweizer
Archiv für Neurologie und Psychiatrie war von Anfang
an zugleich offizielles Organ der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft
sowie des Vereins Schweizerischer Irrenärzte. Es diente als Organ
für den wissenschaftlichen Austausch innerhalb der Schweiz, wobei
in jedem einzelnen Heft bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts
sowohl psychiatrische wie auch neurologische wissenschaftliche Originalarbeiten
veröffentlicht wurden. Die Veröffentlichungen erfolgten in den
Landessprachen, insbesondere in Deutsch und in Französisch, und hatten
dadurch auch eine Ausstrahlung in die internationale Wissenschaftsgemeinschaft,
vor allem nach Deutschland und Frankreich. Neben den wissenschaftlichen
Originalartikeln erschienen immer auch die Sitzungsberichte der neurologischen
wie auch der psychiatrischen Gesellschaften, weswegen die Zeitschrift
ein wichtiges und verbindendes Kommunikationsmittel der Psychiater und
Neurologen darstellte.
Um die Bedeutung des Schweizer Archivs für
Neurologie und Psychiatrie für den wissenschaftlichen
Austausch und die wissenschaftlich untermauerte Praxis innerhalb der Schweiz
und im internationalen Rahmen an Beispielen zu belegen, seien ein paar
einzelne Artikel und Autoren genannt: Im allerersten Heft erschien der
Artikel «Mendelismus bei Psychosen, speziell bei der Schizophrenie»
von Eugen Bleuler, in dem dieser sich in der wichtigen Vererbungsfrage
mit E. Rüdin auseinandersetzte. Mehrere Artikel veröffentlichte
Constantin von Monakow, u.a. den Grundfragen behandelnden Aufsatz «Psychiatrie
und Biologie» im Band 4, 1919. Der Neurophysiologe und Nobelpreisträger
Walter Rudolf Hess veröffentlichte u.a. den ausführlichen Artikel
«Über die Wechselbeziehungen zwischen psychischen und vegetativen
Funktionen» in den Bänden 15 (1924) und 16 (1925). Dass auch
Platz für Kasuistiken eingeräumt wurde, davon zeugt die bedeutsame,
international rezipierte Studie von Ludwig Binswanger «‹Der
Fall Ellen West› eine anthropologisch-klinische Studie», die
er in Fortsetzungen in den Bänden 53 und 54 (1944) und im Band 55
(1945) veröffentlichte. Als ein Beispiel für die praktische
Relevanz und dafür, dass die Zeitschrift auch fachliche Diskussionen
dokumentierte, sei der Sitzungsbericht über psychopharmakologische
Behandlungen erwähnt, der mit einem Referat von Roland
Kuhn, dem
Entdecker des Imipramins als erstes Antidepressivum, eingeleitet wurde
(Band 84, 1959). Im Band 91 (1963) wurde darüber hinaus die Festschrift
zum 60. Geburtstag von Manfred Bleuler veröffentlicht.
Nach diesen stellvertretend genannten Beispielen ist erwähnenswert,
dass die Zeitschrift von 1917 bis heute ohne Unterbruch erschien. Im Jahre
1994 kam es zu einem Verlagswechsel und zu einer neuen Gestaltung. Von
nun an erschienen im Wechsel ein Neurologieheft und ein Psychiatrieheft.
Ausserdem wurden ab diesem Zeitpunkt neben Artikeln in deutscher und französischer
Sprache auch Artikel in englischer Sprache publiziert. Diese Neuerung
wurde beibehalten beim Wechsel zum Schwabe Verlag im Jahre 1997, bei dem
die Zeitschrift bestens aufgehoben und gesichert ist.
Bernhard Küchenhoff
Eine Auswahl historisch relevanter und interessanter Artikel
Zur
Geschichte neurologischer Beiträge im Schweizer Archiv
für Neurologie
und Psychiatrie
Das Schweizer Archiv
für Neurologie und Psychiatrie wurde 1917 von Constantin
von Monakow gegründet. Im Vordergrund stand dabei zunächst das Bedürfnis,
eine eigene, unabhängige Zeitschrift zu haben. Zuvor mussten die
wissenschaftlichen Artikel je nach Sprache an deutsche oder französische
Zeitschriften geschickt werden und wurden von den eigenen Landsleuten
oft nicht zur Kenntnis genommen. Für die Schweizerische Neurologische
Gesellschaft (SNG), welche 1908 gegründet worden war, bedeutete das
Erscheinen einer eigenen Fachzeitschrift einen weiteren wichtigen Erfolg
auf dem mühsamen Weg, als eigenständige universitäre Fachdisziplin
anerkannt zu werden.
Die Publikationen stammten in erster Linie aus der Schweiz und wurden
in den drei Landessprachen verfasst. Von Anfang an hatte jedoch das Schweizer
Archiv auch international eine bedeutende Stellung, wie dies die regelmässigen
Beiträge von namhaften europäischen Neurologen belegen.
Constantin von Monakow blieb von 1917 bis zu seinem Tod 1930 Chefredaktor
des Schweizer Archivs. Die meisten seiner berühmt gewordenen
(neuro-)wissenschaftlich-philosophischen Arbeiten, die er in seinen letzten
15 Lebensjahren verfasste, wurden darin veröffentlicht. Ein besonders
schöner Band ist der 13. (1923), in dem als Festschrift anlässlich
des 70. Geburtstages von Monakow insgesamt 52 Arbeiten von damals führenden
Persönlichkeiten in Neurologie, Hirnanatomie und Physiologie zusammengestellt
wurden.
Nach Constantin von Monakows Tod übernahmen R. Bing aus Basel und
M. Minkowski aus Zürich die neurologische Redaktion. Beide Neurologen
publizierten eine grosse Zahl ihrer Arbeiten im Schweizer Archiv
und trugen nicht zuletzt durch ihre zahlreichen Beziehungen im In- und
Ausland massgeblich zur Qualität der Zeitschrift bei. M.
Minkowski veröffentlichte im Schweizer Archiv seine bekannten Arbeiten
über den Verlauf der Sehnervenfasern (1920) sowie seine Studien zu
den Reflexen beim menschlichen Fötus (1924, 1925).
Bern wurde 1931 zum Austragungsort des 1. Internationalen Neurologischen
Kongresses (INK) gewählt, worüber im Schweizer Archiv
ausführlich berichtet wurde. Jedem Kongressteilnehmer wurde am Ende
eine Spezialnummer der Zeitschrift geschenkt.
In den 1930er Jahren spielte das Schweizer Archiv in Europa eine
wichtige Rolle, indem es als neutrale freie Plattform weiterhin und sogar
vermehrt Beiträge aus dem Ausland berücksichtigen konnte. Die
Zeitschrift erschien auch während des Zweiten Weltkrieges regelmässig.
Ab 1959 wurde der Neurochirurg H. Krayenbühl zum Chefredaktor gewählt.
Er hatte 1941 sein Standardwerk über das Hirnaneurysma im Schweizer
Archiv veröffentlicht. Unter seiner Redaktion hiess die Zeitschrift
vorübergehend bis 1986 Schweizer Archiv für Neurologie, Neurochirurgie
und Psychiatrie.
Die meistzitierten Arbeiten, die seit 1945 im Schweizer Archiv
erschienen sind, stammen von R.
Adams (über Hydrocephalus internus)
und B. Roth (über Narkolepsie und Hypersomnie). Verschiedene Beiträge
kamen aus angrenzenden Fachgebieten, wie z.B. die Arbeiten des Physiologen
und Nobelpreisträgers W. Hess, des Zürcher Anatomen G. Töndury
(über Fetopathien) oder des Pädiaters G. Fanconi (über
Poliomyelitis).
Philipp Valko
Valko P,
Mumenthaler M, Bassetti CL. Zur Geschichte neurologischer Beiträge
im Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie. Schweiz
Arch Neurol Psychiatr. 2005;156(7):343-57.
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